Warum für mich „1815 - Blutfrieden“ mein bisher wichtigstes Buch ist

 
Foto: Peter Franke
 

Seit Erscheinen von „1815 - Blutfrieden“ erhielt ich Mails und Briefe von Lesern aus vielen Teilen Deutschlands, aus Belgien, Russland, der Schweiz und Australien, die mir Sätze schrieben wie: „Ihr Buch hat mich zutiefst bewegt.“ - „Ich habe es in einer Woche durchgelesen und konnte es kaum aus der Hand legen.“ - „Danke, dass Sie uns eine Zeit lebendig machen, über die wir im Geschichtsunterricht kaum etwas gehört haben!“
Männer gestanden, sie hätten an mehreren Stellen beim Lesen geweint, Frauen äußerten sich beeindruckt von der historischen Präzision. Und umgekehrt.
Die Leser mit einem Roman so berührt zu haben, dass sie mit den Figuren mitfiebern und mitfühlen, ist das höchste Lob, das man als Autor von seinen Lesern bekommen kann. Ich freue mich sehr über diese Reaktionen. Sie sind eine große Ermutigung nach harten Ringen mit dem Stoff, nach zwei Jahren, in denen ich alle Kraft und Zeit in dieses Buch gesteckt habe.
In „1813 - Kriegsfeuer“ schilderte ich die Völkerschlacht bei Leipzig und ihre Vorgeschichte - nicht als Schlachtenepos, sondern um das Leid zu zeigen, das dieser Krieg über die Menschen brachte. Um das Pathos zu brechen, das diesem Thema immer noch anhaftet.
„1815 - Blutfrieden“ ist erklärtermaßen kein Buch über Waterloo, davon gibt es schon sehr viele, weshalb ich dieses Ereignis nur kurz schildere. Stattdessen wollte ich zeigen: Was geschah eigentlich zwischen Völkerschlacht und Waterloo, insbesondere auf deutschem Boden? Trotz unglaublicher Dramatik weiß kaum jemand etwas darüber außer den Fachleuten. Deshalb wollte ich diese Geschichte erzählen, ist mir dieses Buch so wichtig.
Von Leipzig bis nach Waterloo war es ein weiter, blutiger Weg, der auch für viele deutsche Städte und ganze Landstriche schlimmste Auswirkungen hatte. In Erfurt und Hanau zum Beispiel brannten ganze Straßenzüge lichterloh, aus Hamburg wurden Weihnachten 1813 tausende Zivilisten in Schnee und Eis getrieben, in jeder der belagerten Städte, ob nun an Elbe oder Rhein, in Dresden, Torgau oder Mainz spielten sich unvorstellbare Dramen ab. Und überall, wo die ausgehungerten und von Krankheit gezeichneten Heere entlangzogen, wurde nicht nur erbarmungslos requiriert, sondern forderte der Typhus bald zehn oder mehr Prozent der Zivilbevölkerung als Opfer.
Das lasse ich meine Romanfiguren - fiktive wie belegte - miterleben.
So wird Henriette Zeugin des unvorstellbaren Leids in Leipzig nach der Völkerschlacht. Das Schicksal verschlägt sie nach Frankfurt, wo im November 1813 die Alliierten ihr Hauptquartier haben, und dann nach Berlin. Dort gerät sie in eine ganz andere Welt, die der Literarischen Salons, in der sie für viel Aufregung sorgt. Der sächsische König kommt als Kriegsgefangener nach Berlin, der Major von Colomb wird bei Hanau Augenzeuge des letzten großen Sieges Napoleons auf deutschem Boden, Felix ist bei Blüchers Rheinübergang in Kaub Silvester 1813 dabei, Maximilian kämpft mit seinem Garderegiment bei der blutigen Einnahme von Paris, General von Thielmann hält im Juni 1815 in Wavre mit seinen Truppen das fast doppelt überlegene Korps Grouchy auf, damit es nicht zu Napoleon durchstößt, und hat so Anteil am Sieg in Waterloo.
Immer wieder führe ich die Leser in die Zentren der Macht und lasse sie hinter die Kulissen schauen: zu Napoleon, ins Alliierte Hauptquartier, in Blüchers Generalstab, in die Geheimkonferenzen auf dem Wiener Kongress.
Das sind schon elfhundert Seiten Crashkurs in deutscher und europäischer Geschichte, aber natürlich ist es auch ein Buch voll starker Gefühle: Es wird geliebt, gebangt, geweint, gehofft, es gibt Momente voller Glück und tiefste Verzweiflung, Lachen und Weinen, Heirat, Geburt und Tod … eben alles, was zum Leben gehört. Und zu einem Roman.

 

Kollektives Vergessen? Oder Tabu? Wir Deutschen und unsere Geschichte

Schon die Völkerschlacht bei Leipzig ist nach meinem Empfinden trotz des Gedenkjahres 2013 unterrepräsentiert in unserem Geschichtsbewusstsein. Aber die Zeit zwischen Völkerschlacht und Waterloo scheint fast völlig aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden, selbst in Städten, die schwer betroffen waren von Schlachten, Bombardements, Plünderungen und Typhus.
Zum Glück gibt es überall ein paar Unentwegte, die die Erinnerung im Sinne des Gedenkens wach halten wollen. So ging ich von Ort zu Ort auf Spurensuche und wurde dabei mit Quellen, Analysen und Augenzeugenberichten unterstützt, von Ortskundigen und Historikern, die zu jener Ära forschen. 
Es ist eine Überlegung wert, warum jene Jahre "verschwunden" scheinen, fast tabu.
Ging die Dramatik dieser Kriege unter in jener der Kriege des 20. Jahrhunderts? Oder liegt es daran, dass das Thema samt seiner Symbolik immer wieder missbraucht wurde? Sollten wir deshalb darüber schweigen? Das Völkerschlachtdenkmal sprengen oder begrünen, wie es unlängst von einem Politikwissenschaftler (!) vorgeschlagen wurde?
Nein! So wird Geschichte nicht „bewältigt“. Man kann sie überhaupt nicht „bewältigen“, nur aufarbeiten und sich damit auseinandersetzen. Was - nebenbei bemerkt - überaus spannend ist.
Ich bin der festen Überzeugung, wir Deutsche sollten uns  mehr mit unserer Geschichte befassen. Es ist unsere Geschichte: mit Glanzpunkten, mit großen Namen und Erfindungen, aber auch mit ganz schrecklichen Zeiten. Lernen wir daraus! Denn wenn Geschichte unter den Teppich gekehrt wird, drohen die Katastrophen sich zu wiederholen. 
Schauen wir näher hin, was geschah und warum es geschah: auf die Helden, ob sie ihre Denkmale verdienen, auf die Anstifter und ihre Motive, auf die „kleinen Leute“, die immer die Leidtragenden waren, auf Unbekannte, die Großes leisteten.

 

Ein Blick in die Schreibwerkstatt

Wie für den Vorgänger gilt auch für dieses Buch, dass die meisten der handelnden Personen tatsächlich gelebt haben und ich ihren Lebensläufen Tag für Tag folge. Viele der unglaublich erscheinenden Details entnahm ich Augenzeugenberichten - wie denen des Leipziger Totengräbers Ahlemann oder des Arztes Dr. Reil. Ich habe mir erlaubt, diese Zeitzeugen durch meinen Roman laufen zu lassen und ihnen in Interaktion mit Henriette und anderen Figuren die Möglichkeit zu geben, ihr Erleben mit uns zu teilen.
Vieles berichtet zum Beispiel der Erfurter Constantin Beyer in seiner später veröffentlichten Stadtchronik. Indem ich ihn zur handelnden Person mache, lasse ich die Leser alles durch seine Augen sehen, bis ins kleinste Detail wie das Eichhörnchen auf dem Altar oder die Offizierswitwe, die verzweifelt ins Wasser starrt. Ich setze seine Erinnerungen in Szenen um und reiche sie so an die nächste Generation weiter.
An vielen Orten der Handlung habe ich lokale Episoden und Anekdoten eingearbeitet - so die vom Fischer Mundt in Weißenfels oder das Geschenk der Fischer an Blücher in Kaub.
Zeitungsberichte, Briefe von historischen Persönlichkeiten, amtliche Proklamationen sind Originale, ich habe sie nur an einigen Stellen ganz behutsam unserer heutigen Sprache angeglichen.
Für mich besonders berührend ist das Soldatentestament des jungen Leutnants Heinrich Bolte, der 1814 vor Paris fiel. Dies und sein Tagebuch wurden mir von seinem heute in Australien lebenden Nachfahren Carsten Johow zur Verfügung gestellt.
Selbst bei den fiktiven Figuren halte ich mich an die historischen Begebenheiten. Deshalb kann ich Maximilian Trepte und Felix Zeidler nur dort agieren lassen, wo ihre Regimenter an dem betreffenden Tag tatsächlich waren.
Eine solche Herangehensweise ist sicher sehr ungewöhnlich für einen Roman; man ist nicht frei im Erzählen. Doch gerade das betrachtete ich als Herausforderung. Die Quellen, die Regimentschroniken sind ja da. Es war für mich eine Frage der Glaubwürdigkeit. Glauben Sie mir: Es wäre leichter, alles zu erfinden.
Aber dies ist meine Art, der Geschichte Respekt zu erweisen.

 

Auf der Suche nach Wahrheit

Etwas ganz anderes sind Zitate nach Memoiren, insbesondere Napoleon und sein Umfeld betreffend. Hier blühen die Legenden, nicht wenige von ihm selbst erschaffen, gibt es von jeder einzelnen Episode unzählige Varianten, die immer wieder weitererzählt werden. Wie bei allen anderen Quellen muss man schauen: Wer hat´s erzählt, wann hat er es aufgeschrieben, und welchem Augenzeugen darf man am ehesten trauen? Vieles werden wir heute nie mehr genau herausfinden. Dafür wurde seit zweihundert Jahren zu sehr an diesem Thema verbogen, gelogen, manipuliert und glorifiziert.
Napoleon schuf seine Mythen, von denen sich viele bis heute hartnäckig halten, die Preußen ihre - und das gilt natürlich auch für die Sachsen. Besonders deutlich wird das in Zusammenhang mit der Meuterei sächsischer Regimenter gegen Blücher in Lüttich. Die preußische und die sächsische Interpretation der Vorgänge weichen verständlicherweise deutlich voneinander ab. Auch hier beginnt die Mythenbildung sofort, obwohl der Vorfall offiziell totgeschwiegen wurde. Lesen Sie es nach!
Wer sich mit dieser Ära befasst, der weiß, dass es von jeder Begebenheit -zig Varianten gibt, vom Tag des Geschehens an, und im Laufe der Zeit weitere hinzukamen, wie es gerade ins politische Zeitbild passte.
Geschichtsbetrachtung unterliegt ständiger Veränderung: Es gibt wechselnde Perspektiven, je nach Gesellschaftssystem verschiedene Interpretationen bis zum Missbrauch, es gibt immer wieder neue Entdeckungen und Bewertungen.
Zweihundert Jahre danach ist es unmöglich, mit Bestimmtheit zu sagen: So war es.
Es gibt in der Geschichte keine „absolute Wahrheit“. Man kann sich nur annähern, extrapolieren, nach der wahrscheinlichsten Variante, dem verlässlichsten Augenzeugen suchen, alles kritisch hinterfragen.
Das tat ich mit Hilfe von Fachleuten, die nicht nur meine unzähligen Fragen beantworteten, sondern mir auch Zugang zu wenig bekannten Dokumenten verschafften. Ohne die Unterstützung von Historikern, Militärhistorikern, Militärs, Reenactment-Vereinen, Archivaren und Bibliothekaren hätte ich dieses Buch nicht schreiben können. Ihre Kooperationsbereitschaft empfinde ich auch als Anerkennung meiner bisherigen Arbeit und weiß sie sehr zu schätzen.
Ich habe die Geschichte nicht neu erfunden, ich erzähle sie nur auf eine neue Weise.
Dies ist meine ganz persönliche Version.
Wer „1813 - Kriegsfeuer“ und „1815 - Blutfrieden“ gelesen hat, wird vielleicht wie auch ich so manches Mal gestaunt haben, wie viel von aus diese Epoche noch unser heutiges Leben prägt.
Und wenn Sie meine Botschaft erreicht, dass nur Mitgefühl uns in schlimmen Zeiten Menschen bleiben lässt, dann hat sich die Mühe gelohnt. Dann empfehlen Sie mein Buch bitte weiter.

 

 

Lebenslinien: Was wurde nach Waterloo aus den Akteuren jener Zeit?

Napoleon Bonaparte wurde auf Beschluss der Alliierten auf die britische Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er am 18. Oktober 1815 an Land ging. Dort verfasste er seine Memoiren, um an seiner Fama weiterwirken zu können, und starb am 5. Mai 1821. Das sich hartnäckig haltende Gerücht, er sei vergiftet worden, lässt sich nach medizinischen Untersuchungen nicht halten.
1840 wurde er exhumiert und in einem Sarkophag im Pariser Invalidendom beigesetzt.

Maria-Louise, seine Frau, suchte nie wieder Kontakt zu ihrem verbannten Gemahl, auch nicht zu ihrem gemeinsamen Sohn. Sie bekam mehrere Kinder vom Grafen von Neippberg, mit dem sie nach Napoleons Tod eine morganatische Ehe einging. Fünf Jahre nach dessen Tod heiratete sie ein drittes Mal und starb 1847 in Parma. Sie ist in der Kaisergruft in Wien beigesetzt.

Zar Alexander von Russland führte nach seiner Rückkehr nach Russland strengste Zensur und Überwachung ein. Verbittert und überall Verschwörungen witternd, starb er Ende 1825 in Taganrog. Wenige Tage später rebellierten Offiziere der Petersburger Garderegimenter gegen autokratische Zarenherrschaft, Leibeigenschaft und Polizeiwillkür - der Dekabristenaufstand, der seine Wurzeln auch in dem hatte, was viele russische Offiziere während der Feldzüge in Europa erlebt hatten.

Friedrich Wilhelm III. von Preußen zögerte weiter, die versprochen Reformen durchzusetzen. Doch er förderte Kunst und Kultur in Berlin. Zu aller Überraschung fand er noch einmal privates Glück in einer morganatischen Ehe mit Auguste von Harrach, die er zur Fürstin von Liegnitz erhob.
Sein erstgeborener Sohn Friedrich Wilhelm IV. übernahm nach dem Tod des Vaters 1840 die Regentschaft. 1858 übergab er die Herrschaft schwerkrank seinem Bruder Wilhelm, der 1871 erster deutscher Kaiser wurde. Seine unerfüllte Liebe war Elisa, die älteste Tochter Louises von Radziwill. Eine Hochzeit zwischen beiden wurde aus Standesgründen abgelehnt, trotz mehrmonatiger Prüfung.

Friedrich August von Sachsen wurde bei seiner Rückkehr ins Land euphorisch gefeiert und verehrt, obwohl seiner Herrschaft immer konservativer wurde und er jegliche Neuerung in Verfassung und Verwaltung ablehnte. Da Friedrich August keinen Erben hatte, übernahm nach seinem Tod 1827 sein in Regierungsgeschäften völlig unerfahrener, nun schon über siebzigjähriger Bruder Anton die Herrschaft, bis er nach Unruhen gezwungen wurde, seinen Neffen Friedrich-August zum Mitregenten zu ernennen. 1831 wurde Sachsen zur konstitutionellen Monarchie.

Auguste Charlotte Gräfin von Kielmannsegge konvertierte 1822 zum katholischen Glauben, wie es ihr Napoleon geraten hatte, bemühte sich vergeblich, ihn in der Verbannung zu besuchen, und trug nach dem Tod Napoleons nur noch Schwarz.

Ihr früherer Mann, Ferdinand Graf von Kielmannsegg, fand nach der Scheidung neues Liebesglück und heiratete 1818 Davide Magdalena von Heidemann, die ihm zwei Söhne und drei Töchter schenkte. Er wurde zum General befördert und war von 1840 bis 1847 Kriegsminister des Königreiches Hannover.

Johann Adolph Freiherr von Thielmann wurde Kommandierender General in Koblenz. Er starb als General der Kavallerie im Oktober 1824 an den Spätfolgen des Russlandfeldzuges; davon hatte er sich gesundheitlich nie ganz erholt. In seinen letzten Lebensjahren schloss er Freundschaft mit dem Freiherrn vom und zum Stein und machte auch seinen Frieden mit dem sächsischen König. Er ist auf dem Hauptfriedhof in Koblenz begraben.

Sein Torgauer Generalstabschef Ernst Ludwig Aster wurde einer der bedeutendsten Festungsbauingenieure seiner Zeit. Sein Büro in der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz ist erhalten und kann besichtigt werden. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wurde zum General der Infanterie ernannt und 1844 in den Adelsstand erhoben.

Carl von Clausewitz, Thielmanns Generalstabschef auf dem 1815er Feldzug, wurde 1818 zum Generalmajor ernannt und damit der jüngste General der preußischen Armee. Doch wie alle liberalen Reformer - z.B. auch Gneisenau - wurde er während der Restauration auf wenig einflussreiche Posten versetzt. Von Clausewitz wurde zum bedeutenden Militärtheoretiker und -ethiker; besonders bekannt ist heute noch seine Feststellung, der Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit militärischen Mitteln. Er starb 1831 im Alter von 51 Jahren. Seine Witwe veröffentlichte seine Schriften posthum auf eigene Kosten.

Friedrich August Peter von Colomb nahm 1849 als General der Kavallerie seinen Abschied vom Militär und verfasste kurz vor seinem Tod 1854 sein Tagebuch über seine Erlebnisse 1813 bis 1815, das posthum veröffentlicht wurde. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1822 heiratete er 1824 erneut. Sein Sohn Enno wurde preußischer Generalleutnant. Peter von Colomb ist auf dem Alten Garnisonsfriedhof in Berlin-Mitte begraben, ebenso wie seine im Roman erwähnten Zeitgenossen Ludwig von Borstell (1773-1844, das Grab ist nicht mehr erhalten), Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow (1782-1834) und Ernst Ludwig von Tippelskirch (1774-1840).

Wilhelm Freiherr von Humboldt geriet nach dem Wiener Kongress immer heftiger mit dem Staatskanzler Fürst von Hardenberg in Konflikt, der versuchte, ihn kaltzustellen. Sein Protest gegen Polizeiwillkür und "Demagogen-Verfolgungen" im Zuge der Restauration brachte ihm Ende 1819 die Entlassung aus Staatsdiensten. Er widmete sich nun ganz Kunst und Kultur, ließ Schloss Tegel durch Karl Friedrich Schinkel zu einem Glanzstück des Klassizismus umbauen, gründete hier das erste preußische Antikenmuseum und engagierte sich bei der Einrichtung des Alten Museums. Zugleich intensivierte er seine sprachwissenschaftlichen Studien und begründete die vergleichende Sprachforschung.

Ernst Otto Innocenz Freiherr von Odeleben veröffentlichte seine Erinnerungen "Napoleons Feldzug in Sachsen im Jahr 1813", die heute noch als wertvolle, authentische Quelle gelten,  arbeitete als Geodät und starb 1833 in Dresden.

Carl Heinrich Reclam, Leipziger Buchhändler, starb 1844. Sein Sohn Anton Philipp Reclam richtete mit vom Vater geborgten Geld in der Grimmaischen Straße eine Leihbibliothek ein, die er Literarisches Museum nannte und aus der 1828 der Verlag des Literarischen Museums hervorging. Er kaufte eine Druckerei und begann später die Herausgabe der Reclamschen Universal-Bibliothek mit Werken von Klassikern. Goethes "Faust" bildete den Auftakt.

Johann Christoph Friedrich Gerlach, Buchdrucker, Buchhändler und Zeitungsherausgeber aus Freiberg, starb 1820. Sein Enkel Heinrich Gerlach gründete 1860 den Freiberger Altertumsverein zur Erforschung der Geschichte und Denkmalpflege, einen der ersten seiner Art in Sachsen.

Leopold Kell aus Weißenfels, zur Zeit der Romanhandlung erst drei Monate alt, wurde Buchdrucker wie sein Vater und in späteren Jahren Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung. Nach ihm ist heute ein Straße in Weißenfels benannt.

Constantin Beyer, Buchhändler und Chronist, starb 1829 als Junggeselle von 67 Jahren in seiner Heimatstadt Erfurt. 1821 veröffentlichte er seine mehrbändige "Neue Chronik von Erfurt" über die Ereignisse zwischen 1736 bis 1815, ein außerordentlich detailreiches Werk. Grundlage dafür waren seine über Jahrzehnte hinweg geführten Tagebücher. Das Rätsel um seine akribisch aufgelisteten Damenbesuche, bei denen er nie einen Namen preisgab, ist bis heute ungelöst.

Carl Bertuch, Schriftsteller und Redakteur des Journals des Luxus und der Moden aus Weimar, war nur sehr wenig Zeit nach seiner Rückkehr vom Wiener Kongress beschieden. Er starb noch nicht einmal achtunddreißigjährig am 5. Oktober 1815. Sein Tagebuch vom Wiener Kongress erschien erst reichlich hundert Jahre später, ist aber ein außerordentliches kulturhistorisches Zeugnis.

Anmerkung: Natürlich konnte ich hier vieles nur streifen und hätte noch bedeutend mehr Namen auflisten können. Aber Persönlichkeiten wie Metternich entziehen sich einer Beschreibung in ein oder zwei Sätzen. Dies gilt auch für das politische Wirken der Monarchen. 
Sabine Ebert, Mai 2015

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